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projekte:achtunglawine:al

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creudenbach
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creudenbach
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-Bislang gab es im Rahmen der deutschen Lawinenausbildung keine einheitliche Lehrmeinung zur Lawinenkunde und die Diskussion der Protagonisten ist bis in die Gegenwart teilweise sehr emotional, und häufig geleitet von der individuellen Erfahrung und Wahrnehmung,​ geführt worden. Verständlich,​ dass die Forderung zunehmend lauter wurde, die Entwicklung gemeinsamer Vorstellungen eines praktikablen und risikominimierenden Handlungsschemas für die Praxis statt fruchtloser Diskussionen in den Vordergrund zu stellen (vgl. etwa  [(Schwiersch2008)] ). Vor dem Hintergrund der divergierenden Ausbildungsinhalte haben sich 2011 auch die deutschen Verbände, die mit der Lawinenausbildung befasst sind,  an den runden Tisch gesetzt, diskutiert und ihre Lehrinhalte (nach dem Schweizer Vorbild) ​ konsolidiert. Kurz vorgestellt wird das Curriculum Achtung Lawinen! im Panorama ​ Beitrag von Hellberg & Semmel ​ //​Entscheidungsstrategien zur Lawinengefahr,​ Achtung Lawinen!// ​{[:​aval:​HellbergSemmel)]. "//​Inhaltlich//"​ so die Autoren "//​gibt es keine Revolution: Die Verbände bekennen sich zu einer Kombination von Analytik und Probabilistik mit dem neuen Aspekt der Konsequenzanalyse"​.//​ Die  Konsolidierungsbemühungen -ein vereinheitlichtes Curriculum für die Lawinenausbildung zu erarbeiten- sind mit "​Achtung Lawine!"​ erstmalig realisiert. ​+Bislang gab es im Rahmen der deutschen Lawinenausbildung keine einheitliche Lehrmeinung zur Lawinenkunde und die Diskussion der Protagonisten ist bis in die Gegenwart teilweise sehr emotional, und häufig geleitet von der individuellen Erfahrung und Wahrnehmung,​ geführt worden. Verständlich,​ dass die Forderung zunehmend lauter wurde, die Entwicklung gemeinsamer Vorstellungen eines praktikablen und risikominimierenden Handlungsschemas für die Praxis statt fruchtloser Diskussionen in den Vordergrund zu stellen (vgl. etwa  [(Schwiersch2008)] ). Vor dem Hintergrund der divergierenden Ausbildungsinhalte haben sich 2011 auch die deutschen Verbände, die mit der Lawinenausbildung befasst sind,  an den runden Tisch gesetzt, diskutiert und ihre Lehrinhalte (nach dem Schweizer Vorbild) ​ konsolidiert. Kurz vorgestellt wird das Curriculum Achtung Lawinen! im Panorama ​ Beitrag von Hellberg & Semmel ​ //​Entscheidungsstrategien zur Lawinengefahr,​ Achtung Lawinen!// [(:​aval:​HellbergSemmel)]. "//​Inhaltlich//"​ so die Autoren "//​gibt es keine Revolution: Die Verbände bekennen sich zu einer Kombination von Analytik und Probabilistik mit dem neuen Aspekt der Konsequenzanalyse"​.//​ Die  Konsolidierungsbemühungen -ein vereinheitlichtes Curriculum für die Lawinenausbildung zu erarbeiten- sind mit "​Achtung Lawine!"​ erstmalig realisiert. ​
  
-Das DAV-Faltblatt //Achtung Lawinen!// stellt somit die offizielle Lehrmeinung für das winterliche Risikomanagement im DAV dar {[:​aval:​DAVAchtungLawine)]. Das Prinzip der SnowCard erscheint dem Anfänger noch eingängig und verständlich. Mit dem neuen Lehrschema drängen sich hinsichtlich der Schneemuster und der Konsequenzanalyse komplexe weitere räumliche Fragestellungen auf, die sich auch nach intensivem Studium der sehr instruktiven Artikel und Lehrbücher (vor allem {[:​aval:​Harvey2012)], ​{[:​aval:​Harvey42011)], ​{[:​aval:​Nairz)], ​{[:​aval:​Munter2011)]) kaum mit der notwendigen Sicherheit beantworten lassen.+Das DAV-Faltblatt //Achtung Lawinen!// stellt somit die offizielle Lehrmeinung für das winterliche Risikomanagement im DAV dar [(:​aval:​DAVAchtungLawine)]. Das Prinzip der SnowCard erscheint dem Anfänger noch eingängig und verständlich. Mit dem neuen Lehrschema drängen sich hinsichtlich der Schneemuster und der Konsequenzanalyse komplexe weitere räumliche Fragestellungen auf, die sich auch nach intensivem Studium der sehr instruktiven Artikel und Lehrbücher (vor allem [(:​aval:​Harvey2012)],​ [(:​aval:​Harvey42011)],​ [(:​aval:​Nairz)],​ [(:​aval:​Munter2011)]) kaum mit der notwendigen Sicherheit beantworten lassen.
  
 Waren zuvor Exposition und Hangneigung im Gelände selbst von erfahrenen Tourengehern schon schwierig zu schätzen, gibt es nun eine Vielzahl weiterer überwiegend räumlich differenziert wirkender Einflussfaktoren. Als Geograph motiviert räumlichen Problemstellungen auf den Grund zu gehen, soll hier die Arbeitsthese aufgestellt werden, dass mit den derzeit verfügbaren rechnerbasierten Werkzeugen valide räumliche Informationen zur Bewertung der Risikoeinschätzung als auch der Schneesituation im winterlichen Hochgebirge erzeugt werden können. Diese Daten können wertvolle Informationen für die Planung, Durchführung und das Training von winterlichen Hochgebirgsaktivitäten bieten. Waren zuvor Exposition und Hangneigung im Gelände selbst von erfahrenen Tourengehern schon schwierig zu schätzen, gibt es nun eine Vielzahl weiterer überwiegend räumlich differenziert wirkender Einflussfaktoren. Als Geograph motiviert räumlichen Problemstellungen auf den Grund zu gehen, soll hier die Arbeitsthese aufgestellt werden, dass mit den derzeit verfügbaren rechnerbasierten Werkzeugen valide räumliche Informationen zur Bewertung der Risikoeinschätzung als auch der Schneesituation im winterlichen Hochgebirge erzeugt werden können. Diese Daten können wertvolle Informationen für die Planung, Durchführung und das Training von winterlichen Hochgebirgsaktivitäten bieten.
  
-Jeder Könner und Experte war Anfänger und hat diesen Zustand überlebt. das Wissen, das Verstehen und die Expertise entstehen in einem langwierigen,​ komplexen Lernprozess,​ der im winterlichen Hochgebirge oft lebensbedrohend sein kann. Die resultierenden Erfahrungsmuster bilden durch positive Rückkopplungen dann jene meist als Intuition oder ganzheitliche Expertise wahrgenommen Fähigkeiten der Profis und Experten ​{[:​aval:​Mersch2008_4)].+Jeder Könner und Experte war Anfänger und hat diesen Zustand überlebt. das Wissen, das Verstehen und die Expertise entstehen in einem langwierigen,​ komplexen Lernprozess,​ der im winterlichen Hochgebirge oft lebensbedrohend sein kann. Die resultierenden Erfahrungsmuster bilden durch positive Rückkopplungen dann jene meist als Intuition oder ganzheitliche Expertise wahrgenommen Fähigkeiten der Profis und Experten [(:​aval:​Mersch2008_4)].
  
 Sollte obige Arbeitsthese Bestand haben, könnte auf der Grundlage valider räumlicher Lawineninformationen das Erlernen, Begreifen und Verknüpfen der Risiko und Schneemuster für das Bewerten und Entscheiden in komplexen Raumstrukturen beim winterlichen Tourengehen sinnvoll unterstützt werden. Der Weg zur Intuition wäre somit ein wenig sicherer. ​ Sollte obige Arbeitsthese Bestand haben, könnte auf der Grundlage valider räumlicher Lawineninformationen das Erlernen, Begreifen und Verknüpfen der Risiko und Schneemuster für das Bewerten und Entscheiden in komplexen Raumstrukturen beim winterlichen Tourengehen sinnvoll unterstützt werden. Der Weg zur Intuition wäre somit ein wenig sicherer. ​
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 ==== Grundlagen und Hintergründe==== ==== Grundlagen und Hintergründe====
  
-In der Zeit vor den 1980er Jahren war die Einschätzung der Potenziale für Lawinenabgänge wenigen Experten oder lokalen Erfahrungswerten vorbehalten. Üblich war es, den Aufbau der Schneedecke auf den Hängen anhand verschiedener Faktoren zu bewerteten und darauf aufbauend eine Einschätzung abzugeben. Für eine vertiefte Betrachtung der historischen ​ Entwicklung zur Lawinenforschung etwa in der Schweiz sei auf die Arbeit von {[:​aval:​SLFGeschichte)] verwiesen. Die Schnee und Lawinenforschung ist unverzichtbare Grundlage für das physikalische und prozessorientierte Verständnis der Windverfrachtung und gravitativen Verlagerungsprozesse von Schnee, die eng gekoppelt an die physikalischen Umbildungsprozesse der Schneekristalle sind. Dieses Verständnis,​ eine Vielzahl von Messdaten und die wertvolle Expertise von Fachleuten wird in den jeweiligen Bulletins und Lawinen-Lageberichten zur Beurteilung der aktuellen Situation und der vergangenen und zukünftigen Entwicklung publiziert. Diese Berichte sind unverzichtbar für die regional differenzierte räumliche Beurteilung der Schneesituation.+In der Zeit vor den 1980er Jahren war die Einschätzung der Potenziale für Lawinenabgänge wenigen Experten oder lokalen Erfahrungswerten vorbehalten. Üblich war es, den Aufbau der Schneedecke auf den Hängen anhand verschiedener Faktoren zu bewerteten und darauf aufbauend eine Einschätzung abzugeben. Für eine vertiefte Betrachtung der historischen ​ Entwicklung zur Lawinenforschung etwa in der Schweiz sei auf die Arbeit von [(:​aval:​SLFGeschichte)] verwiesen. Die Schnee und Lawinenforschung ist unverzichtbare Grundlage für das physikalische und prozessorientierte Verständnis der Windverfrachtung und gravitativen Verlagerungsprozesse von Schnee, die eng gekoppelt an die physikalischen Umbildungsprozesse der Schneekristalle sind. Dieses Verständnis,​ eine Vielzahl von Messdaten und die wertvolle Expertise von Fachleuten wird in den jeweiligen Bulletins und Lawinen-Lageberichten zur Beurteilung der aktuellen Situation und der vergangenen und zukünftigen Entwicklung publiziert. Diese Berichte sind unverzichtbar für die regional differenzierte räumliche Beurteilung der Schneesituation.
  
 Das Risikomanagement war vor diesem Hintergrund bis in die 1990er Jahre hinein eine Analyse der Schneedecken und Schneebeschaffenheit zur Ableitung der regionalen Einschätzung der Lawinen-Lageberichte. Es ist bekannt dass innerhalb von Schneedecken sehr komplexe physikalische Vorgänge ablaufen. Diese Vorgänge laufen nicht linear und räumlich nicht homogen ab. Folglich ist die Analyse an Punkt //x// kein zureichender Prädiktor für Punkt //y//. Das Resultat dieser einfachen Erkenntnis ist die prinzipielle Unzuverlässigkeit verlässlicher Vorhersagen zur Lawinengefahr auf punktueller analytischer Grundlage. Abgesehen davon, dass es überaus schwierig ist Schneedecken korrekt zu bewerten, da es sich neben dem notwendigen physikalischen Verständnis vor allem um ein kognitives Problem handelt. Für das praktische Risikomanagement sind die analytischen Ansätze offensichtlich problematisch. Die analytische Vorgehensweise war und ist systembedingt mit großen Fehlermargen für ein anwendbares Risikomanagement behaftet. (1) Sie ist nicht räumlich konsistent bzw. homogen, (2) sie erfordert ein extrem hohes Expertenwissen,​ das aufgrund der subjektiven Wahrnehmung einen unbestimmten Fehler aufweist. Das Risikomanagement war vor diesem Hintergrund bis in die 1990er Jahre hinein eine Analyse der Schneedecken und Schneebeschaffenheit zur Ableitung der regionalen Einschätzung der Lawinen-Lageberichte. Es ist bekannt dass innerhalb von Schneedecken sehr komplexe physikalische Vorgänge ablaufen. Diese Vorgänge laufen nicht linear und räumlich nicht homogen ab. Folglich ist die Analyse an Punkt //x// kein zureichender Prädiktor für Punkt //y//. Das Resultat dieser einfachen Erkenntnis ist die prinzipielle Unzuverlässigkeit verlässlicher Vorhersagen zur Lawinengefahr auf punktueller analytischer Grundlage. Abgesehen davon, dass es überaus schwierig ist Schneedecken korrekt zu bewerten, da es sich neben dem notwendigen physikalischen Verständnis vor allem um ein kognitives Problem handelt. Für das praktische Risikomanagement sind die analytischen Ansätze offensichtlich problematisch. Die analytische Vorgehensweise war und ist systembedingt mit großen Fehlermargen für ein anwendbares Risikomanagement behaftet. (1) Sie ist nicht räumlich konsistent bzw. homogen, (2) sie erfordert ein extrem hohes Expertenwissen,​ das aufgrund der subjektiven Wahrnehmung einen unbestimmten Fehler aufweist.
  
-Die Diskussion um neue Wege im praktischen Lawinen-Risikomanagement hat vor allem Werner Munter seit den 1980er Jahren initiiert und entwickelt. Er hat schrittweise und unter großem persönlichen Einsatz ein  systemares Konzept zur Risikominimierung entwickelt, dass sich trotz aller Widerstände in weiten Teilen der Lawinenausbildung etablieren konnte ​{[:​aval:​Munter1984)], ​{[:​aval:​Munter1992)], ​{[:​aval:​Munter2003)]. Das Munter'​sche Risikomanagement-System besteht aus der 3×3 Formel und wird durch die elementare Reduktionsmethode ergänzt. Parallel hierzu hat  ​{[:​aval:​Engler2001)] mit dem Faktorencheck (Checkpunkte,​ Szenarien), ​ eine erste praktische Managementmethode entwickelt, die später zur Snow-Card ​{[:​aval:​EnglerMersch2001)], ​{[:​aval:​EnglerMersch2006)] weiterentwickelt wurde. ​+Die Diskussion um neue Wege im praktischen Lawinen-Risikomanagement hat vor allem Werner Munter seit den 1980er Jahren initiiert und entwickelt. Er hat schrittweise und unter großem persönlichen Einsatz ein  systemares Konzept zur Risikominimierung entwickelt, dass sich trotz aller Widerstände in weiten Teilen der Lawinenausbildung etablieren konnte [(:​aval:​Munter1984)],​ [(:​aval:​Munter1992)],​ [(:​aval:​Munter2003)]. Das Munter'​sche Risikomanagement-System besteht aus der 3×3 Formel und wird durch die elementare Reduktionsmethode ergänzt. Parallel hierzu hat  [(:​aval:​Engler2001)] mit dem Faktorencheck (Checkpunkte,​ Szenarien), ​ eine erste praktische Managementmethode entwickelt, die später zur Snow-Card [(:​aval:​EnglerMersch2001)],​ [(:​aval:​EnglerMersch2006)] weiterentwickelt wurde. ​
  
 Diese beiden wohl prominentesten praktischen Risikomanagementverfahren werden probabilistische Verfahren genannt, da sie sich aufgrund der Komplexität **nicht** um die exakte Bestimmung der Faktoren bemühen, sondern versuchen empirische Wahrscheinlichkeiten zu kombinieren,​ um so eine definierte Risikominimierung zu erreichen. Empirische Grundlage dieser Vorgehensweise sind Messwerte, Statistiken und Analysen ​ die darauf hinweisen dass sehr wenige Risikofaktoren bereits eine hohe Risikowahrscheinlichkeit bedingen, während hingegen einzelne Faktoren ​ hinsichtlich der Risikoabschätzung nur wenig zielführend sind. Diese beiden wohl prominentesten praktischen Risikomanagementverfahren werden probabilistische Verfahren genannt, da sie sich aufgrund der Komplexität **nicht** um die exakte Bestimmung der Faktoren bemühen, sondern versuchen empirische Wahrscheinlichkeiten zu kombinieren,​ um so eine definierte Risikominimierung zu erreichen. Empirische Grundlage dieser Vorgehensweise sind Messwerte, Statistiken und Analysen ​ die darauf hinweisen dass sehr wenige Risikofaktoren bereits eine hohe Risikowahrscheinlichkeit bedingen, während hingegen einzelne Faktoren ​ hinsichtlich der Risikoabschätzung nur wenig zielführend sind.
  
-Da die probabilistische Methode unbestrittene Schwächen hinsichtlich der situativen Entscheidungsfindung aufweist, ist vornehmlich in vergangenen Jahren die anwendungsorientierte Weiterentwicklung ​ der analytischen Betrachtungsweise vorangetrieben worden. Insbesondere die Protagonisten in der Schweiz und in Österreich formulierten nachdrücklich die Notwendigkeit eine vereinfachte Analytik in Form der Mustererkennung in die Entscheidungsfindung zu integrieren ​{[:​aval:​Harvey42011)], ​{[:​aval:​Nairz)]. ​+Da die probabilistische Methode unbestrittene Schwächen hinsichtlich der situativen Entscheidungsfindung aufweist, ist vornehmlich in vergangenen Jahren die anwendungsorientierte Weiterentwicklung ​ der analytischen Betrachtungsweise vorangetrieben worden. Insbesondere die Protagonisten in der Schweiz und in Österreich formulierten nachdrücklich die Notwendigkeit eine vereinfachte Analytik in Form der Mustererkennung in die Entscheidungsfindung zu integrieren [(:​aval:​Harvey42011)],​ [(:​aval:​Nairz)]. ​
  
 Schließlich wird mit der Konsequenzanalyse aktuell ein weiterer wichtiger Faktor in die nähere Betrachtung gebracht. ​ Schließlich wird mit der Konsequenzanalyse aktuell ein weiterer wichtiger Faktor in die nähere Betrachtung gebracht. ​
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 Das aktuelle DAV-Entscheidungsschema integriert alle etablierten Meinungen und zeigt sowohl Heuristiken als auch analytische Einflussfaktoren auf. Man sollte nun annehmen können, dass somit für den Akteur in winterlichen Hochgebirgsräumen,​ ein pragmatisches,​ Handlungsfähigkeit erzeugendes Werkzeug des Risikomanagements zur Verfügung steht. Betrachtet man die Komplexität der Inhalte genauer, so kann jedoch die These formuliert werden, dass viele der Handlungsanweisungen Handlungs**hin**weise (Geländeinterpretation,​ Schneeinterpretation,​ Konsequenzanalyse) darstellen, die wiederum nur von hochgradig versierten Experten aufgrund ihrer jahrzehntelangen Erfahrung, also intuitiv oder holistisch, adäquat wahrgenommen,​ verarbeitet und in günstige Entscheidungen überführt werden können. Wie die nachfolgende Auswahl an Zitaten belegt, ist dieser Zusammenhang den Experten durchaus bewusst: Das aktuelle DAV-Entscheidungsschema integriert alle etablierten Meinungen und zeigt sowohl Heuristiken als auch analytische Einflussfaktoren auf. Man sollte nun annehmen können, dass somit für den Akteur in winterlichen Hochgebirgsräumen,​ ein pragmatisches,​ Handlungsfähigkeit erzeugendes Werkzeug des Risikomanagements zur Verfügung steht. Betrachtet man die Komplexität der Inhalte genauer, so kann jedoch die These formuliert werden, dass viele der Handlungsanweisungen Handlungs**hin**weise (Geländeinterpretation,​ Schneeinterpretation,​ Konsequenzanalyse) darstellen, die wiederum nur von hochgradig versierten Experten aufgrund ihrer jahrzehntelangen Erfahrung, also intuitiv oder holistisch, adäquat wahrgenommen,​ verarbeitet und in günstige Entscheidungen überführt werden können. Wie die nachfolgende Auswahl an Zitaten belegt, ist dieser Zusammenhang den Experten durchaus bewusst:
  
-Besonders provokativ formuliert Munter seine Auffassung hierzu: "//Es ging letztlich darum, abstrakt und allgemein formuliert, JA/​NEIN-Entscheide zu fällen unter Zufall, Unsicherheit und Komplexität,​ und zwar oft in Minutenschnelle,​ und es ging nicht um harmlose Ratespiele [...], sondern um Leben und Tod. Deshalb kamen für mich Intuition und persönliche Erfahrung – die üblichen Antworten auf Unsicherheit – in diesem Fall nicht in Frage. Aber wie schafft unser Hirn das?// ​{[:​aval:​Munter2011)]."​+Besonders provokativ formuliert Munter seine Auffassung hierzu: "//Es ging letztlich darum, abstrakt und allgemein formuliert, JA/​NEIN-Entscheide zu fällen unter Zufall, Unsicherheit und Komplexität,​ und zwar oft in Minutenschnelle,​ und es ging nicht um harmlose Ratespiele [...], sondern um Leben und Tod. Deshalb kamen für mich Intuition und persönliche Erfahrung – die üblichen Antworten auf Unsicherheit – in diesem Fall nicht in Frage. Aber wie schafft unser Hirn das?// [(:​aval:​Munter2011)]."​
  
-Darauf weiß auch der Entwickler des Faktorencheck und Snowcard Martin Engler keine andere Antwort als die von Munter verworfene. In sein Kursangebot "​Gespür für Schnee"​ beginnt er mit folgendem Zitat: "//​Früher,​ in meiner "​wilden Zeit" stellte ich erst mal alle geltenden Lehrmeinungen in Frage und wollte alles direkt erfahren. Dazu gehörte auch der "​Spass",​ Schnee in Bewegung zu setzten und zu erforschen, unter welchen Bedingungen dies möglich war. Heute bin ich froh, diese Phase überlebt zu haben und von diesen Erfahrungen zu profitieren.//​ "{[:​aval:​Engler2012)]. ​+Darauf weiß auch der Entwickler des Faktorencheck und Snowcard Martin Engler keine andere Antwort als die von Munter verworfene. In sein Kursangebot "​Gespür für Schnee"​ beginnt er mit folgendem Zitat: "//​Früher,​ in meiner "​wilden Zeit" stellte ich erst mal alle geltenden Lehrmeinungen in Frage und wollte alles direkt erfahren. Dazu gehörte auch der "​Spass",​ Schnee in Bewegung zu setzten und zu erforschen, unter welchen Bedingungen dies möglich war. Heute bin ich froh, diese Phase überlebt zu haben und von diesen Erfahrungen zu profitieren.//​ "[(:​aval:​Engler2012)]. ​
  
 Jan Mersch relativiert in einem kürzlich erschienenen Beitrag diese Position: "//​Eine Mischung aus Intuition für Gelände und Verhältnisse und Wahrnehmungsverzerrung hin zum Erträglichen kommt in solcher Situation oft durch. Genau da liegt auch die Hauptschwäche der hochgelobten Erfahrung//"​ und weiter: "//​Hellwach und hochkonzentriert hilft hier der Instinkt weiter, Jan Mersch relativiert in einem kürzlich erschienenen Beitrag diese Position: "//​Eine Mischung aus Intuition für Gelände und Verhältnisse und Wahrnehmungsverzerrung hin zum Erträglichen kommt in solcher Situation oft durch. Genau da liegt auch die Hauptschwäche der hochgelobten Erfahrung//"​ und weiter: "//​Hellwach und hochkonzentriert hilft hier der Instinkt weiter,
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